Sammlung von Forschungsarbeiten zu Foodcoops in Österreich

In den letzten Jahren wurden schon einige Forschungsarbeiten, v.a. im Rahmen von Seminaren auf verschiedenen Universitäten Wiens, über Foodcoops in Österreich geschrieben. Wir sind gerade dabei diese Arbeiten zu sammeln und für eine Veröffentlichung auf dieser Seite vorzubereiten.

Wenn du eine jener Personen bist, die eine Arbeit über Foodcoops in Österreich verfasst hast, würden wir uns freuen, wenn du mit uns über infos[ät|foodcoops.at Kontakt aufnimmst.

Bisher verfasste Arbeiten:

Ulrike Jaklin (2013): Kleinbäuer*innen und die Foodcoop D’Speis (Wien). Gründe für die Teilnahme an einem alternativen Lebensmittelnetzwerk

Am Beispiel der Foodcoop D’Speis (Wien) stellt die Autorin die Gründe der Bäuer*innen für die Vermarktung über Foodcoops und der daraus entstehende Nutzen dargestellt. Laut den befragten Bäuer*innen stehen zu Beginn der Kooperation mit der Foodcoop meist praktische Überlegungen zu Lieferbedingungen, Abnahmemengen und Preisen im Vordergrund, während insgesamt die immateriellen Vorteile (direkter Kontakt, größere Wertschätzung, gemeinsame Ziele) für die Bäuer*innen überwiegen. Diese Aussage wird gestützt durch die Tatsache, dass die Belieferung von Foodcoops nur einen geringen Anteil am Betriebseinkommen innerhalb einer Kombination aus verschiedenen Vermarktungswegen (konventionell und alternativ) ausmacht. Es kommt im Rahmen der Kooperation nicht im gewünschten Ausmaß zur Aufhebung der Anonymität zwischen Konsument*innen und Bäuer*innen. Die gemeinsamen Ziele der Bäuer*innen und der Foodcoop-Mitglieder entsprechen einer gemeinsamen Kritik am vorherrschenden Lebensmittel- und Agrarsystem und beschränken sich bei den geteilten Visionen auf einen Minimalkonsens (biologisch, regional, dezentral). Foodcoops unterscheiden sich von konventionellen Vermarktungswegen durch die Gestaltungsweise der Interaktion zwischen ihnen und den Bäuer*innen. Die Foodcoop pflegt einen kooperativen Umgang mit den Bäuer*innen, was in den konkreten Anforderungen bzgl. Produktqualität und Preisfestlegung zu einer Förderung kleinbäuer­licher Produktionsweisen führt. Speziell die Institutionalisierung der Konsument*innen in den Foodcoops ermöglicht Kooperationen zwischen Konsument*innen und Produzent*innen, die in anderen Formen von ALN (Bauernmarkt, Ab-Hof-Verkauf, Zustellung) schwieriger zu verwirklichen wären.

Jaklin_peasants_foodcoops

Maria Legner  (2013): Positionierung und Vernetzung der Food Coops. Untersuchung eines alternativen Raumes.

This paper focuses on food coops as an example for alternative food networks that are opposed to the globalized market society. Food Coops are organized as non-profit associations and work through the voluntary participation of their members. Half of them being students (the mean age is 28 years) they can be classified into the alternative milieu, so they put into practice social values and sustainability by strategies of direct democracy.
The data of the existing and newly founded food coops in Vienna have been collected by participating at reunions and analyzing the formal documents of the association and afterwards quantifying them with a questionnaire. The theoretical background is provided by Benno Werlen who proposes an action-oriented approach of social geography which identifies the empirically identifiable actions of individuals as object of research framed by spacial boundaries. By doing so, the paradoxical relationship of postmodernity between globalization and re-regionalization can be put into context. The analysis shows that space gets revalued by the proximitiy of the shop to the members. Thereby face-to-face interactions occur regularly, additionally to the modern means of communications in the internet for dissemination of information.

Legner_Positionierung_und_Vernetzung_der_FoodCoops

Martin Königsstetter (2013): FoodCoop Möhrengasse. Eine Fallstudie zu der Organisationsstruktur der Initiative und eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der sozialen Innovation.

Diese Bachelorarbeit setzt sich mit der Organisation der FoodCoop Möhrengasse aus dem 2. Bezirk in Wien auseinander und geht der Frage nach, inwiefern diese eine soziale Innovation darstellt. Dazu wurde der Begriff der sozialen Innovation theoretisch ausgearbeitet und mit Hilfe von qualitativen Interviews zu den einzelnen Organisationsprozessen der FoodCoop Möhrengasse gegenübergestellt.

Königsstetter (2013): Organisation der FoodCoop Möhrengasse und eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der sozialen Innovation

Binder-Knoll; Pirker; Seebacher; Zinganell; Zwiauer (2013): Was macht Food-Coops sexy? Seminararbeit. BOKU Wien, Institut für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Diese Seminararbeit behandelt Food-Coops (aus dem Englischen: “food cooperation”) als eine mögliche Alternative zur derzeitig vorherrschenden konventionellen Versorgungsstruktur. Food-Coops sehen sich als “soziale Netzwerke die (Klein)Bäuer*innen wertschätzen” (Radolf/Haefner 2012: 5) und als Gruppe gemeinsam ihre Nahrungsmittelversorgung organisieren, wobei jedes Gruppenmitglied bestimmte Aufgaben übernimmt. Neben diesem Aspekt der kollektiven Selbstverwaltung, spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle und beeinflusst die Wahl der bezogenen Produkte, als auch die Beziehung zu den ProduzentInnen. In den letzten Jahren erlebte diese Form der alternativen Nahrungsmittelversorgung in vielen europäischen Städten eine Hochblüte und auch in Wien sprießen derzeit neue Food-Coops aus dem Boden.
Die Arbeit beschäftigt sich im speziellen mit der Suche nach Motivationsgründen für Mitglieder von Food-Coops in Wien.

Was macht Food-Coops sexy?

Margit Fischer (2012). Direktvermarktung durch eine Lebensmittelkooperative. Eine anthropologische Untersuchung Bäuerlicher Strategien, Identitäten und Wechselwirkungen mit KonsumentInnen.

Anhand einiger Bäuer*innen, welche die Foodcoop Möhrengasse beliefern, wird der Frage nachgegangen, wie die Foodcoop von den den Bäuer*innen genutzt und in die persönliche Lebenswelt integriert wird. Daraus werden Bedeutungen und Strategien, welche die Bäuer*innen verfolgen, sichtbar.

Fischer_2012_Direktvermarktung_durch_eine_Lebensmittelkooperative

Nicole Mussner (2012): Motivation ‚Foodcoop‘: Warum nehmen die Mitglieder der Foodcoop Möhrengasse die Distribution von Lebensmitteln selbst in die Hand?

Die Autorin untersucht in ihrer kurzen Arbeit die Motive von Mitgliedern, sich an einer Lebensmittelkooperative in Wien zu beteiligen: die Schonung der Umwelt, die Möglichkeit der Selbstbestimmung, die soziale Interaktion in der Gruppe, politische Motivationen, das Vertrauen in den Ursprung der Produkte und praktische Gründe spielen hierbei eine Rolle.

Mussner2012_Motive_Moehrengasse

Christina Grassnigg (2012): Warum nehmen die Mitglieder der Foodcoop Möhrengasse die Distribution von Lebensmitteln selbst in die Hand?

Die Autorin untersucht in ihrer kurzen Arbeit die Motive von Mitgliedern, sich an einer Lebensmittelkooperative in Wien zu beteiligen. Als wesentliche Faktoren werden hierbei gesehen: der direkte Kontakt zu den Produzent*innen, welcher in größerem Vertrauen in die Produkte mündet; die Schonung der Umwelt; die Möglichkeit der Selbstbestimmung, die schließlich zur Wahrnehmung der Lebensmittelkooperative als einen Weg der Absicherung gegenüber künftigen Krisen führt; die Wertschätzung der sozialen Interaktion innerhalb der Foodcoop und schließlich spielen auch Fragen des persönlichen Komforts eine Rolle.

Grassnigg2012_Moehrengasse

Margit Fischer (2012): Selbstbestimmung fängt beim Essen an! Die Wahrnehmung von Macht und Ohnmacht in einer Lebensmittelkooperative.

Die Autorin führte in der Wiener Lebensmittelkooperative Möhrengasse als Teil einer Forscher*innengruppe teilnehmende Beobachtung und qualitative Interviews durch. Sie wollten die Frage klären, warum die Mitglieder die Lebensmittelverteilung selbst in die Hand nehmen. Bezüglich dieser Frage spielt die Wahrnehmung von Handlungsfähigkeit und Macht, der in dieser Arbeit nachgegangen wird, eine Schlüsselrolle. In einem ersten Teil wird über wahrgenommene Ohnmacht der Konsument*innendemokratie im System Supermarkt berichtet. Im zweiten Teil wird  dargestellt, wie sich die Macht in der Lebensmittelkooperative anhand dreier Praktiken ausdrückt (direkter Kontakt zu Produzent*innen, Basisdemokratie und Wissen und sozialer Austausch).

Fischer_Margit_Selbstbestimmung fängt beim Essen an

Moritz Maurer (2012): Lebensmittelkooperativen zwischen Theorie und Praxis.

Die Seminararbeit widmet sich dem Zusammenhang zwischen der Theorie (den Zielen), der Praxis (der spezifischen Umsetzung der Ziele) und der Organisationsweise von Lebensmittelkooperativen. Ein Modell mit vier Dimensionen (Integration von Produzent*innen, Integration von Konsument*innen, interne Arbeitsorganisation und politische Tätigkeit) wird zur Analyse dieses Nexus entwickelt. Das breite Spektrum von unterschiedlichen Organisationsformen von Lebensmittelkooperativen wird anhand dreier Beispiele (Lincolnshire Co-operative – UK, Park Slope Food Coop – USA und d’Speis – Österreich) illustriert. Diese Lebensmittelkooperativen werden auf der Basis von Daten aus einer Internetrecherche anhand des entwickelten Modells analysiert.

Maurer_LKzwischenTheorieundPraxis

Poster: Katja Bachler und Tanja Bachler (2012): FoodCoops – möglicher Nischenabsatzweg für Direktvermarkter in der Zukunft?

Bachler_Katja_Tanja_Poster

Isabelle Schützenberger (2011): Soziale Gerechtigkeit in Zielen, Strategien und Struktur dreier „radical food movements“.

Abstract: Der Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Aussage von Patricia Allen (2008: 159), dass Bewegungen für ein alternatives Lebensmittel- und Agrarsystem ohne die Integration von Gerechtigkeitsfragen nur privilegierte Bevölkerungsschichten ansprechen und somit weniger Potenzial für tiefgreifende Veränderungen haben. Für drei Beispiele von Bewegungen für Ernährungssouveränität aus Wien bzw. Österreich (D’Speis, AgrarAttac, ÖBV Via Campesina Austria) wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese radical food movements in ihren Tätigkeiten Aspekte der sozialen Gerechtigkeit berücksichtigen.

Schützenberger: Soziale Gerechtigkeit und radical food movements

Dominik Dax & David Brunmayr (2011): Vergleich von Food-Coops und Supermärkten in Bezug auf die Förderung von regionaler ökologischer Landwirtschaft.

Abstract: Die Autoren vergleichen in ihrer Arbeit den Einfluss von Supermärkten und Food-Coops auf die Förderung regionaler und biologischer Landwirtschaft. Im ersten Teil wird dazu die Konventionalisierung der biologischen Produktion und Wertschöpfungskette aufgrund der verstärkten Vermarktung über Supermärkten beschrieben. In einem weiteren Schritt werden Food-Coops mit ihren unterschiedlichen Organisationsformen dargestellt. Im Vergleich schneiden Foodcoops bezüglich Regionalität, Saisonalität und dem persönlichen Bezug zu den Produkten besser ab. Allerdings werden in Österreich nur äußerst geringe Mengen an Bio-Produkten über Food-Coops vermarktet, weshalb ihnen eher eine Bildungsfunktion zugeschrieben wird.

Vergleich von Food-Coops und Supermärkten

 Andreas Geyer (2010): Auswirkungen der Food-Coop-Initiative Bioparadeis auf ProduzentInnen, KonsumentInnen und Umwelt.

Abstract: Nach einer kurzen Beschreibung der Entstehung und der internen Organisation des Bioparadeises wird auf deren Auswirkungen auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene eingegangen. Auf allen Ebenen sieht der Autor positive Veränderungen aufgrund der Existenz der Lebensmittelkooperative. Unter den Mitgliedern und auch seitens des interviewten Produzenten kam es zu einer Bewusstwerdung verschiedener Prozesse und gegenseitiges Verständnis wurde gefördert. Aufgrund des Bezuges von biologischen Produkten aus der Region wird die Umwelt geschont. Die Selbstorganisation und der möglichst direkte Einkauf bei ProduzentInnen ermöglicht einen fairen Preis sowohl für die KonsumentInnen als auch für die ProduzentInnen.

Auswirkungen der Food-Coop Bioparadeis

Eva Hörmanseder (2010): Die Funktion von Grenzstellen in basisdemokratisch organisierten Vereinen. Untersuchung anhand der Lebensmittelkooperative Bioparadeis.

In diesem Text beschäftigt sich die Autorin mit dem Umgang eines basisdemokratisch organisierten Vereins mit seiner Umwelt. Der untersuchte Verein Bioparadeis ist eine Lebensmittelkooperative und will die Versorgung der Mitglieder mit regionalen biologischen Lebensmitteln gewährleisten. In punkto Darstellung gegenüber Nicht-Mitgliedern als auch der Funktion der Grenzstellen (Luhmann) kann es zu Schwierigkeiten mit der Einhaltung des Grundprinzips der Basisdemokratie kommen. Durch Informationsanhäufung bei einzelnen Personen können hierarchische Strukturen entstehen und sich eine größere Entscheidungsmacht bei ihnen sammeln. Die Darstellung nach außen wird auch im basisdemokratischen Verein Bioparadeis geschönt und somit ein „Schaufenster der Organisation“ geschaffen.

Hörmanseder: Die Funktion von Grenzstellen in basisdemokratisch organisierten Vereinen