CSA und FoodCoops

Ein bekannter Widerspruch im Foodcoop-System bei Bestell-Foodcoops besteht im Zusammenspiel zwischen Foodcoops und Produzentinnen: Den Bestell-Wünschen der BestellerInnen steht eine andere Ernte- oder Produktionsmenge der ProduzentInnen gegenüber. Was zu wenig geliefert wird, entgeht finanziell der/dem ProduzentIn, was zu viel produziert wird, will anders an die Leute gebracht werden. Damit ist eine weitere Vertriebsquelle oder Verarbeitung und Lagerung als Ergänzung nötig. Ähnlich sieht es mit Lieferungen aus, wenn Bestellmengen niedrig sind. Es wird dann zu einer Zwickmühle für LieferantInnen abzuwägen,  Mindestbestellmengen einzuführen oder Transportkosten separat abzurechnen und damit das Risiko einzugehen, regelmäßige BestellerInnen zu verlieren oder andererseits (zu) viel Zeit und Geld in die Auslieferung zu investieren. 

Natürlich besteht bei der ProduzentInnen-Foodcoop-Symbiose ein gewisses Maß an Flexibilität, etwa, können Foodcoops ProduzentInnen (mit)entscheiden lassen, wie viel oder was geliefert wird, z.B. bei Gemüse in einer Foodscoop in Salzburg auf Vorrat [1], oder etwa eine garantierte Abnahme durch fixe Bestellung von Produkt-Mengen “auf Vorrat” durch Foodcoops. Bei Fleisch ist die kollektive Sicherstellung über Online-Sheets, dass alle wesentlichen Teile eines Tieres gebraucht werden, bevor es geschlachtet wird (Bioschafhof Sonnleitner[2]) ein interessanter Weg. Weit verbreitet sind auch Ankündigungen an die FC-Mitglieder, wovon gerade viel da ist. Das Ganze bedarf der Aufmerksamkeit und Kommunikation der Mitglieder der Foodcoop, der BestellerInnen und/oder ProduzentInnen.

Der andere Weg sind die SoliLa/GeLawi/CSAs, wo die ErnteanteilnehmerInnen die regelmäßige Abnahme und Finanzierung der Ernte sicherstellen. In Österreich ist die zeitliche und räumliche Entwicklung bei Foodcoops und CSA sehr ähnlich, was wohl auch mit Überschneidungen der aktiven Personen in beiden Themengebieten zu tun hat:

Die Gärtnerei Ochsenherz begann 2011 österreichweit als erster derartiger Betrieb im Großraum Wien [3]. 2011 gab es 4 Jahre nach der Gründung des Bioparadeis [4] als erste Foodcoop schon eine Hand voll (6) Foodcoops in Österreich [5]. 2012 werden in der “Tagung für Solidarische Landwirtschaft” im Kontext des Projektes CSA4EUROPE einige österreichische CSA-Projekte vorgestellt, darunter auch die kleine Farm nahe Graz (hier inspiriert von CSAs in Kalifornien[6]), Gemüsefreude (Sattledt/OÖ), Sepplashof (Südburgenland) und den Biohof Mogg (Wien/nahe Herzogenburg, NÖ)[3]. Letzerer startete 2013 und hat wohl als vorher schon etablierter Foodcoop-Lieferbetrieb [2] (neben Ochsenherz mit Verteilstelle in der FC Möhrengasse[6]) dafür gesorgt, dass viele Foodcoopmitglieder (darunter auch ich) in Wien CSA/Solidarische Landwirtschaft kennen, schätzen und lieben lernten. Inzwischen haben CSAs, wie auch Foodcoops und Selbsternte-Felder einen Status erreicht, in dem sie bei ihren potentiellen Zielgruppen landläufig bekannt sind und als erprobtes und funktionsfähiges Modell angesehen werden, das den Bedürfnissen aller Beteiligten entsprechend adaptiert werden kann. So gibt es sowohl die Solidarische Landwirtschaften, die organisatorisch betrachtet  einer Foodcoop mit Landwirtschaft ähneln, wo Mitarbeit und Mitbestimmung als wichtiger Teil der Mitgliedschaft angesehen werden (z.B. Ochsenherz, Ouvertura, Kleine Farm, Erdling[7]), als auch weniger „beteiligungsintensive“ Modelle, wo mehr Finanzierung und die gesicherte Abnahme im Vordergrund stehen. Es gibt Bezahlmodelle mit Richtwert (z.B. Ouvertura, Kleine Farm) und jene mit fixen Preisen, portionierten und flexibel entnehmbaren Mengen (oder auch, wie bei Ochsenherz, beides). Es gibt Kollektive von Betrieben (z.B. Solako in der Stmk., Gute Frücht in Tirol), die gemeinsam ein Angebot für die ErnteanteilnehmerInnen bieten  und es gibt Ansätze, wo Ernteanteile mit einzelne Produktgruppen  über CSAs an die KonsumentInnen gelangen (z.B. Obst bei „Gute Frücht“, Milchprodukte beim zu Solako gehörenden Edlerhof oder als Beispiel einer anderen Art des Marketings, das Anlageprodukt „Honigbienen Invest“ von „Mat Bee Honey“).

Wie geht es weiter?

Im Großraum um Wien gibt es nun einige Betriebe, die zum Teil beeinflusst durch die gestrandeten CSA-Mogg-Mitglieder den Schritt zur CSA wagten bzw. CSA ausbauen. Darunter befinden sich Jahwezi und Tristan von Biosain (Jahbauer). Sie bebauen etwa 1 Ha Feldgemüse in der Nähe von Gars am Kamp und begannen  2018 mit den CSA-Lieferungen an die FC d’Speis und an das Reformhaus Wallner. Markus und Mona von der CSA Kamptal beliefern die Foodcoops Vorratskammer und den Lebensmittelpunkt Hawei. Biosain haben noch Kapazitäten für neue Standorte ab 10 ErnteteilerInnen. Auch der Betrieb Leithalandgemüse war in Foodcoops Thema als Nachfolge für CSA Biohof Mogg.Mit der Gründung der Munus-Siftung sind  Ochsenherz und Ouvertura [8] einen Weg gegangen, der die Richtung einschlägt, landwirtschaftliches Eigentum vor dem Zugriff von nicht-gemeinnützigen Interessen, wie Immobilienspekulationen zu schützen. 
Was mir im Vergleich mit Foodcoops auffällt ist, dass Bestrebungen von GeLawi/SoliLa/CSAs, eine gemeinsame Plattform zu haben, eher nicht in den Vordergrund treten.Es sieht eher nach informellen Netzwerken aus, etwa im Rahmen von Nyeleni-Treffen. Dies könnte auch daran liegen, dass sich der Alltag im Leben in einem landwirtschaftlichen Betrieb von dem mit und in Foodcoops doch deutlich unterscheidet. Hier ist Erwerbsarbeit und Selbstorganisation zusammen, zwischendurch einmal etwas anderes tun ist nicht leicht, Freizeit meist rar und das Leben findet eher im ländlichen Raum statt. Foodcoops, die sowohl mit ihren CSA-Partner-Betrieben, den anderen Betrieben wie auch mit den anderen Foodcoops regelmäßig in Kontakt stehen, haben daher durch ihre mehr oder weniger vorhandenen Einblicke in die Situation die Gelegenheit, die Verbreitung dieser Betriebsform und die Lebensqualität der Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Wie dies erfolgen könnte, währe wohl ein Thema für eines der nächsten Vernetzungstreffen.

Lorenz

Links zu CSA-Betrieben

Aktuell werden neue Mitglieder aufgenommen: *

NÖ/Wien:
BIOSain*: http://biosain.at/
CSA Kamptal*: http://biogemuese-csa-kamptal.at/
Biogemüsemanufaktur Biokistl*: http://biogemüsemanufaktur.at/biokistl
SoLaWi Fermentarium*: https://www.fermentarium.at/
Ouvertura*: https://www.ouvertura.at
SoLawi Bio-Reisenbäuerinnen*: http://www.kraeuteregg.at/index.php
GeLa Ochsenherz: http://www.ochsenherz.at/
Biohof Radl: https://www.biohof-radl.at/csa
Matt Bee Honey* http://www.mattbee.at/ (vermutlich kein Bio-Betrieb

Burgenland:
Leithaland gemüse*:  https://leithalandgemuese.at/

Stmk:
Jaklhof*, vormals Bio-Fuchs: http://www.jaklhof.at/
Paradieschen*: http://www.paradieschen.land/wpnew/
SoLaWi Radix*: https://solawiradix.wordpress.com/
Kleine Farm: http://www.kleinefarm.org/
Solako: https://www.solako.at/ (5 Höfe)

Salzburg:
Erdling*: https://www.erdling.at/

Tirol:
Gute Frücht* https://www.gutefruecht.at

Vorarlberg:
Gemeinsam für glückliches Gemüse*: G_G_G@gmx.at
siehe auch: https://www.vol.at/solidarisches-gemueseglueck/6122247 und Radiobeitrag.
Biohof Kohler: SoLaWi GEMÜSEFREUnDE*: https://www.permakultur-akademie.com/biohof-kohler-vorarlberg/ E-Mail: biohof-kohler@aon.at

Radiobeiträge zu CSAs in Österreich:

  • Proton – das freie Radio: R(h)eingehört berichtet vom Acker des Gemeinschaftsgartens „Gemeinsam für Glückliches Gemüse“, 19.08.2015 https://cba.fro.at/294362
  • Von unten im Gespräch auf Radio Helsinki: CSA-Höfe rund um Graz: Rückblicke und Einblicke, Beiträge über Betriebe um Graz: https://cba.fro.at/399595
  • Radio Stimme auf Radio Orange: Ich geh nicht in den Supermarkt! – Widerständig konsumieren, 07.08.2018, darunter Beitrag über GeLa Ochsenherz und Foodcoops. https://cba.fro.at/381251

Quellen:
[1] Gehört bei FC Vernetzungstreffen Salzburg (2016) und Linz (2018)
[2] Foodcoops im Großraum Wien, z.B. dSpeis: www.speis.org
[3] Protokoll Tagung Solidarische Landwirtschaft, 26.11.2012: ochsenwww.ernährungssouveränität.at/es-wiki/images/f/f9/1.CSA_Vernetzungstreffen_in_Oesterreich_Protokoll_BOKU_Wien_26.11.2012.pdf
[4] https://foodcoops.at/2011/12/29/bioparadeis/
[5] https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/391094_Krautkoopf-Bioparadeis-und-Co.html
[6] Nagy, Nina, Diplomarbeit (2013): http://othes.univie.ac.at/30160/1/2013-10-01_0503399.pdf
[7] siehe Beschreibungen und Anmeldeformulare der Betriebe
[8] https://munus-stiftung.org/ , http://www.ochsenherz.at/ackerkauf-beteiligung-der-munus-stiftung/ , https://www.ouvertura.at/